Umgang mit Gefühlen beeinflusst Wohlbefinden und Leistung
Wie Studierende ihre Emotionen regulieren, wirkt sich auf ihr subjektives Wohlbefinden, ihre körperliche Gesundheit und die Prüfungsergebnisse aus
Im Uni-Alltag durchleben Studierende verschiedenste Emotionen. Am häufigsten berichten sie über Freude, Angst und Langeweile im Zusammenhang mit Lernen oder Prüfungen im Hochschulkontext. Wie sie damit umgehen, wirkt sich auf ihr Wohlbefinden, ihre Gesundheit und ihre Leistung aus, zeigt die Forschung von Dr. Kristina Stockinger vom Lehrstuhl für Psychologie der Universität Augsburg. Zwei besonders günstige Strategien sind demnach die kognitive Umdeutung und die kompetenzorientierte Regulation. Ob Freude an einem spannenden Thema, Angst vor einer Prüfung oder Langeweile bei einer Vorlesung: Der Lern-Alltag von Studierenden ist von zahlreichen Emotionen geprägt. Wie Studierende mit diesen Gefühlen umgehen, hat weitreichende Konsequenzen. Es beeinflusst ihr Wohlbefinden und ihre körperliche Gesundheit, aber auch ihre Leistung im Studium. Das zeigen drei Studien, die Dr. Kristina Stockinger vom Lehrstuhl für Psychologie der Universität Augsburg geleitet hat. Als besonders günstig erweist sich die kognitive Umdeutung: Studierende hinterfragen und verändern die eigene Einschätzung einer Situation. „Zum Beispiel mache ich mir bewusst, dass ich eine ähnliche Prüfungssituation schon mal gemeistert habe, und verringere so meine Angst. Oder ich überlege, wie die Inhalte einer Vorlesung mir später einmal nützlich sein können, und senke somit meine Langeweile“, erklärt Stockinger. Langfristig weniger günstig ist die Situations-Selektion vor allem bei negativen Emotionen wie Angst und Langeweile: Studierende schwänzen Vorlesungen, die sie langweilen, oder schieben das Lernen auf, weil sie Angst vor der Prüfung haben. „Diese Strategie kann weitreichende negative Folgen haben – sowohl für das Wohlbefinden als auch für die Leistung“, warnt Stockinger. Denn das Problem wird hierbei nicht gelöst, sondern vermieden. „Es gibt nicht die eine richtige Strategie, die immer passt“, hält Stockinger zusammenfassend fest. „Es kommt auf die konkrete Situation an: Was passt zum Problem, über welche Ressourcen verfüge ich? Am besten ist es, man entwickelt ein breites Repertoire von Strategien, die man flexibel einsetzen kann.“ An Lehrende appelliert Stockinger, sich als Vorbild im Umgang mit Emotionen zu verstehen – und dem Thema auch Raum in Lehrveranstaltungen zu geben. Das kann zum Beispiel über ein Check-in zu Beginn einer Sitzung gehen: Wo stehen die Studierenden, was brauchen sie gerade? Lehrende sollten zudem auf Beratungsangebote an der Uni aufmerksam machen. cg Kristina Stockinger, Markus Dresel, Herbert W. Marsh, Reinhard Pekrun: Strategies for regulating achievement emotions: Conceptualization and relations with university students’ emotions, well-being, and health:
https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2025.102089
E-Mail:
kristina.stockinger@phil.uni-augsburgphil.uni-augsburg.de ()
E-Mail:
michael.hallermayer@presse.uni-augsburgpresse.uni-augsburg.de ()
Sechs verschiedene Strategien, mit Emotionen umzugehen, wurden dabei identifiziert und untersucht. Ergebnis: Studierende unterscheiden sich erheblich darin, wie sie ihre Emotionen regulieren. Bestimmte Vorgehensweisen wirken sich günstiger auf Gesundheit und Leistung aus als andere.Situation umdeuten
Ebenfalls günstig ist die kompetenzorientierte Regulation: Studierende bereiten sich gezielt gut vor, beispielsweise auf eine anstehende Klausur. Dafür nutzen sie effektive Lernstrategien oder üben besonders intensiv den Stoff, den sie noch nicht so gut beherrschen. Zum einen wird dadurch ein erfolgreiches Abschneiden wahrscheinlicher. Zum anderen stärkt dieses Vorgehen auch das Sicherheitsgefühl und das Erleben von Kontrolle. „Das ist eine sehr relevante Strategie. Sie kann maßgeblich beeinflussen, wie sich Studierende fühlen und wie gut ihre Leistungen sind“, sagt Stockinger. Diese Strategie wurde von der Forschung bisher wenig beachtet – oder eben nicht als eine Form der Emotionsregulation erkannt.Vermeiden und unterdrücken
Vielleicht besser als ihr Ruf hingegen ist eine vierte Strategie: das Unterdrücken von Emotionen. Frühere Forschung stellte oft die „gute“ kognitive Umdeutung und die „schlechte“ Unterdrückung einander gegenüber. Doch Stockinger und ihre Kollegen konnten keinen Zusammenhang finden zwischen dieser Strategie, dem Wohlbefinden der Studierenden und den erzielten Leistungen. Wie sich diese Strategie auswirkt, scheint je nach Person und Situation stark zu variieren. Tipps für Studierende
Studierenden möchte Stockinger Mut machen. „Die erste wichtige Botschaft ist, dass man überhaupt Einfluss nehmen kann auf Emotionen“, sagt sie. „Es ist lohnend, sich die Zeit zu nehmen und zu reflektieren: Welche Strategien setze ich ein, um meine Emotionen zu regulieren?“Lehrende als Vorbild
Für die drei Studien wurden deutsche und englische Studierende befragt. Die Ergebnisse sind soeben in einem Artikel in der Sonderausgabe der Fachzeitschrift „Learning and Instruction“ zum Thema Emotionsregulierung in Lehr- und Lernkontexten erschienen. Die Studien sind Teil der Habilitationsschrift, an der Stockinger arbeitet.Weiterlesen
Kontakt
Medienkontakt