42. Psychiatrietage im AWO Psychiatriezentrum (APZ) - Wir waren dabei!

Zum 42. Mal fanden im Festsaal des AWO Psychiatriezentrum (APZ) Königslutter die Psychiatrietage statt.

 

Neben klassisch-psychiatrischen Themen wie Borderline-Persönlichkeitsstörung, depressive Erkrankungen, Demenzerkrankungen sowie Zwangsstörungen und Suizidalität standen auch Themen auf dem Programm, die in der Versorgungspsychiatrie nicht bzw. noch nicht so präsent sind, aber immer mehr an Bedeutung gewinnen.

 

Dr. Irina Papazova
Am ersten Tagungstag referierte Dr. Irina Papazova, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Augsburg, über „Psychiatrie und Stigma in der digitalen Welt“. Sie zeigte Chancen und Risiken der Sozialen Medien auf. Zum einen seien sie ein guter Kanal zur Aufklärung von psychischen Erkrankungen. Zudem erleichtern sie den Kontakt zu Betroffenen und von Betroffenen untereinander. „Auf der anderen Seite wird die Informationsvermittlung nicht reguliert. Jeder kann alles posten“, betont Dr. Papazova. Das seien zu Teil erhebliche irreführende bzw. Fehlinformationen. Zudem zeige sich ein inflationärer Gebrauch von psychiatrischen Begriffen wie „triggern, toxisch oder narzisstisch“. „Dies kann dazu führen, dass diese Begriffe an Bedeutung verlieren“, erklärt Dr. Papazova. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Beiträge von Experten nicht zwangsläufig als kompetenter angesehen werden als z.B. Beiträge von Betroffenen. 


Diesen Punkt bestätigte auch Celine Dorrani, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur Empirische Kommunikations- und Medienforschung der Universität Leipzig, in ihrem Vortrag. Sie sprach über den sogenannten „Sick Style – Wie und warum psychiatrische Erkrankungen online inszeniert werden“. Zum einen hätten Menschen mit psychischen Krankheiten über die sozialen Netzwerke die Möglichkeit, das öffentliche Bild ihrer Erkrankung mitzubestimmen und somit stereotypische Darstellungen entgegenzuwirken. Zum anderen ermöglichen die Sozialen Medien den Selbstausdruck sowie den sozialen Austausch. Dabei stehen vor allem Krankheitsbilder wie Depressionen und Angststörungen im Fokus, seltener Störungen auf dem schizophrenen Spektrum. „Die Sozialen Netzwerke geben den Betroffenen Räume, um das Gesamtbild von sich selbst und der Erkrankung zu kreieren und die psychiatrische Erkrankung in die Mitte zu rücken“, erklärt Dorrani. Dann gab sie einen Überblick über acht Kommunikationsformen von Betroffenen, d.h. über deren Intension und Auswirkungen auf die Community, also auf Personen, die den Betroffenen folgen. Dazu gehört z.B. „For your information“. Dabei gehe es darum objektive Fakten über einer Erkrankung mitzuteilen. Hier betonte sie nochmals, dass Beiträge von Fachleuten als weniger kompetent angesehen werden und die Gefahr für Fehlinformationen sehr hoch sei. Celine Dorrani zeigte auch auf, wie das Potenzial der Wahrnehmung zur (Ent-) Stigmatisierung bei Nicht-Betroffenen aussehe. Diese unterteilte sie in drei Methoden: 1. den Kontakt, um Vorurteile abzubauen und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen; 2. Aufklärung, dem Aufdecken von gesellschaftlich bestehenden Vorurteilen und die Vermittlung von Wissen sowie 3. der Protest, auf die Diskriminierung aufmerksam machen und zur Verantwortung ziehen. 

Ein weiteres wichtiges Thema, welches immer mehr Beachtung in der Psychiatrie findet, ist der „Klimawandel und psychiatrische Gesundheit“. Mit diesem Thema befasste sich Prof. Dr. Tillmann Krüger, Leitender Oberarzt in der Medizinischen Hochschule Hannover, in seinem Referat. Er zeigte anhand verschiedener Beispiele und Untersuchungen auf, dass der Klimawandel die Gesundheit rekordverdächtig belaste und sprach über direkte und indirekte Folge des Klimawandels auf die Gesundheit. 

 

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